Erklärung der Hygienerichtlinien
im Video

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+++ In vielen Bereichen der Sportgemeinde Hohensachsen wurde aufgrund der Lockerungen entsprechend
der aktuellen Landesverordnung 
der Übungs- und Trainingsbetrieb ausgebaut.
Es gibt allerdings weiterhin Beschränkungen.

Wendet Euch bei Fragen zu den passenden Trainingsmöglichkeiten bitte an die Abteilungsleitungen. +++

 

"Es hat sich angefühlt wie neu geboren"

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Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung:
"Einfach in die Mitte stellen, klatschen lassen", sagt Trainer Rafal Ziemlicki zu seinen Schützlingen. Die Teenager bilden auf dem Kunstrasen Dreiergruppen. Zwei Spieler positionieren sich nach Außen, und füttern den Mitspieler im Zentrum mit Bällen. Ständig um die eigene Achse müssen sich die jungen Kicker bewegen, eine Kugel nach der anderen kommt angerollt. Mit nur einer Berührung schiebt ein B-Jugendspieler das Runde wieder zurück zum Passgeber. "Schneller, und flach passen", fordert der Coach.

Der Ball rollt wieder, auch im Amateurbereich. Mit Abstandsregeln, strengem Hygienekonzept – und doch darf mittlerweile auch wieder mit etwas Körperkontakt gekickt werden. Seit zwei Wochen sind die Vorschriften im Fußballtraining etwas gelockert. Auch Trainingsspielchen sind nun wieder erlaubt. Die B-Jugend der SG Hohensachsen hat nach fast viermonatiger Zwangspause sogar schon wieder das erste Freundschaftsspiel bestritten und haushoch gewonnen. Zeit für einen Besuch.

Am Eingang des Trainingsgeländes weisen Flatterbänder und aufgeklebte Pfeile auf dem Boden den Weg durch das eingeführte Einbahnstraßen-System. Statt in der Umkleide schlüpfen die Fußballer erst vor dem Platz in ihre Schuhe – und auch auf dem Kunstrasen zeigt sich: Vieles ist anders als gewohnt. Kein Abklatschen nach einem gelungenen Schuss, viel Abstand, auch bei den Aufwärmübungen und Ansprachen. Und doch überwiegt die Freude, wieder gemeinsam gegen den Ball treten zu dürfen.

"Das war eine harte Zeit, gerade für die Jugendspieler ist es doppelt schade", erinnert sich Trainer Tobias Kuhn an den plötzlichen Stillstand im März. Mit der B-Jugend stand man nach zweimonatiger, intensiver Vorbereitung kurz vor dem Start in die Rückrunde, träumte sogar von der Qualifikation für die Meisterrunde. Und dann wurde aufgrund der Corona-Pandemie der Saisonabbruch verkündet.

Monatelang ruhte der Sport, stand für alle Vereine vieles in der Schwebe. Das Gefühl in dieser Zeit? "Ein sehr blödes, die Tore waren hochgeklappt, alles war wie ausgestorben", erklärt Abteilungsleiter Steffen Janke. Nur zum Pizzaholen im Vereinshaus ging’s mal zur SG. Dort, wo Woche für Woche von den "Bambinis" bis zur Alt-Herren-Mannschaft gejubelt und mitgefiebert wird, herrschte plötzlich eine unerträgliche Stille. Umso größer war die Vorfreude. "Wow, dieses Gefühl, endlich wieder die Schuhe schnüren zu dürfen. Das hat sich angefühlt wie neugeboren. Aber die Fitness hat gelitten", betont Kuhn.

Und das, obwohl man sich während der Zwangspause über Crossfit-Videos individuell fitgehalten hat. Auch für das Hygienekonzept hat man nun ein Erklärvideo erstellt. "Es war klar, alles beruht auf Freiwilligkeit, niemand wird gezwungen", so Janke. Auch die Eltern mussten eine Einverständniserklärung unterzeichnen. "Letztlich mussten alle an einem Strang ziehen. Für die Schüler, die mit dem Homeschooling vor ganz anderen Herausforderungen standen, war es wichtig, dass sie sich wieder richtig bewegen können, der Kopf frei wird, es Ablenkung gibt. Dass sie nicht nur auf der Playstation Fußball zocken", findet Kuhn.

Übte man zunächst in vier separaten Gruppen mit fünf Spielern, können nun wieder zwei große Zehner-Gruppen gebildet werden. Waren anfangs nur Passübungen oder Fußballtennis möglich, kann jetzt wieder "richtig" Fußball gespielt werden. Was aber vielleicht noch mehr gefehlt hat als der Ball, als das Glücksgefühl nach einem Tor oder einer gelungenen Aktion: "Der soziale Kontakt, das miteinander auf etwas hinfiebern, die Kameradschaft", sagt Kuhn.

Die ersten Trainingswochen mit den Jungs und Mädels der B-Jugend haben dem Trainerteam auch einige Nerven gekostet. Entweder lag es an der Chipstüte vor der Playstation oder an den vielen Schmetterlingen im Bauch, die sich während der Zeit der Entbehrung angesammelt hatten. "Jedenfalls war unser erster Eindruck, dass Corona in wenigen Monaten das zerstört hat, was wir in sechs Jahren aufgebaut haben", so Kuhn.

Bei einem Testspiel gegen SV Wallstadt wird der Trainerstab dann eines Besseren belehrt. Mit 6:0 fegte die SG den Mannheimer Club vom Platz. Passtraining und Fußballtennis wurden letztlich doch in Technik und Tore umgemünzt. Wie selbstverständlich verlassen die jungen Kicker das Gelände über das Einbahnstraßensystem. Hütchen werden desinfiziert. Dann folgt schon die Erste Mannschaft. "Es war wie eine geistige und seelische Befreiung", sagt auch deren Trainer Sascha Harbath über das wiedergewonnene Glücksgefühl. Einer seiner Schützlinge: B-Jugend-Trainer Tobias Kuhn. Er muss jetzt als Spieler zeigen, wie er sich während der Corona-Pause fitgehalten hat.

Quelle: RNZ vom 20.07.2020, Marco Partner, Fotos: Dorn

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